Tomaten anbauen (wie man es richtig macht)

veröffentlicht am 21. November 2016 in Allgemein von
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Tomaten richtig anbauen

Tomate (Lycopersicon lucoperiscum) / Nachtschattengewächse, Solanaceae

Die Tomate stammt aus den peruanischen Anden. Die Ureinwohner Perus und Mexikos züchteten die zunächst nur kirschgrossen Rüchte allmählich grösser und gaben ihr den aztekischen Namen“tomatle“. Nach Europa gelangeten die ersten Pflanzen durch Columbus, der sie von seiner zweiten Amerikareise im Jahre 1498 mitbrachte.

Zum allgemeinen Volksnahrungsmittel wurde sie bei uns jedoch erst im letzten Jahrhundert. Sie ist heute neben Gurke und Paprika die wichtigste Gemüseart zur Sommernutzung des Gewächshauses.

Tomaten sind einjährige Pflanzen. Sie haben einen hohen Lichtbedarf und sind wärmebedürftig, wenn auch nicht ganz so wie die Gewächshausgurke. Die Blüten sind zwittrig. Bei der Tomate überwiegt die Selbstbefruchtung, wobei die Blüten schon zwei Tage vor dem Aufblühen bestäubungsfähig sind.

Ein Blütenstand kann aus fünf bis 25 Blüten bestehen. Nur ausreichend befruchtete Blüte bilden Früchte voll aus. Im Gewächshaus werden überwiegend unbegrenzt wachsende Tomatentypen angebaut (Stabtomaten). Diese müssen aufgeleitet werden, da ihre Stängel nicht selbsttragend sind. Daneben gibt es die begrenzt wachsenden Typen (Buschtomaten), die sich auch für die Kübel- und Balkonkastenbepflanzung eignen. Sie stellen das Wachstum nach der 4. bis 5. Traube ein und bleiben klein.

Je nach Fruchtgrösse und Form unterscheidet man hauptsächlich Fleischtomaten (Fruchtgewicht 80 – 100g), Eiertomaten (40 – 60g) und Kirsch- oder Coktailtomaten (bis 40g pro Frucht). Fleischtomaten können je nach Sorte bis über 1 kg schwer werden. Sie haben vielkammrige Früchte und neigen manchmal etwas zur „Mehligkeit“. Als geschmacklich intensiver werden im Allgemeinen die runden, zweikämmrigen Sorten bewertet. Man unterscheidet dabei grünfrüchtige und Hellfruchtsorten. Die Hellfruchtsorten reifen. gleichmässiger. Ihre Fruchtschale ist dünner und im unreifen Zustand einheitlich hellgrün gefärbt. Sie neigen weniger zum sogenannten „Grünkragen“. Cocktailtomaten sind oft besonders intensi im Geschmack.

Jungpflanzenanzucht

Die Jungpflanzenanzucht aus Samen dauert 7 bis 8 Wochen. Der beste Platz für die Jungplfanzenanzucht ist ein Warmhaus oder ein Vermehrungskasten. Die Fensterbank ist weniger zu empfehlen, da hier nur von einer Seite und meist zu wenig Licht einfällt, was die Pflanzen lang und schwächlich werden lässt.

Für die Pflanzung ins Kalthaus wird ab Mitte März ausgesät. Der Samen wird 0,5cm tief in Aussaatkisten mit Aussaaterde abgelegt. nicht zu eng säen!  Die Keimtemperatur sollte bei 22 – 25 Grad liegen. Die Keimung dauert etwa 1 Woche.

Nach dem Auflaufen wird zunächst auf einen weiteren Abstand pikiert und später dann einzeln in 10cm grosse Töpfe gepflanzt. Wer sich einen Arbeitsgang sparen will, kann auch gleich einzeln Töpfe pikieren. Der beste Zeitpunkt für das Pikieren ist erreicht, sobald sich die Keimblätter waagrecht aufgefaltet haben. Nur gesunde Pflanzen mit voll ausgebildeten Keimblättern werden verwendet.

Wer nur die schnellstaufgelaufenen, gesunden Keimlinge weiterverwendet, kann mit einem früheren und höheren Ertrag rechnen. Nach dem Pikieren wird bei hoher Einstrahlung unter Umständen für ein paar Tage schattiert, ansonsten benötigen die jungen Pflanzen viel Licht.

Ab dem Pikieren kann die Temperatur tags auf 20 bis 22, nachts nach und nach bis auf 16 Grad abgesenkt werden. Gegen Ende der Jungpflanzenanzucht wird die Temperatur noch etwas weiter abgesenkt, damit die Pflanzen abhärten. Während der Anzucht wird mehrmals mit einem wasserlöslichen Dünger oder einem Flüssigdünger in einer Konzentration von 0,2 bis 0,3% gedüngt.

Tomaten können auch durch Stecklinge vermehrt werden. Dazu werden 7cm lange Stecklinge (z.B. Geiztriebe) entweder in Erde oder einem Wasserglas bewurzelt. Bei etwa 20 Grad bilden die Stecklinge innerhalb weniger Tage Wurzeln aus.

Boden, Pflanzung, Pflege

Ins Kalthaus wird Anfang Mai gepflanzt. Die optimale Tomatenjungpflanze hat noch ihre zwei Keimblätter, ist gesund und gedrungen mit sechs Laubblättern, selbststehend in einem Topf von mindestesns 10cm Durchmesser und abgehärtet.

Die Tomate bevorzugt warme, humose oder sandige Lehmböden. Sie verträgt keine Staunässe. Günstig wirkt sich eine tiefe Bodenlockerung sowie das Einbringen von Kompost und die organische Düngung aus. Auf eine frische Kalkung können Tomaten empfindlich reagieren.

Zum Zeitpunkt der Pflanzung sollte opimalerweise der erste Blütenstand bereits zu erkennen sein. Die Pflanze wird so gesetzt, dass die erste Blüte zum Weg hin zeigt. Das erleichtert die weitere Pflege. Pro m2 können zwei bis drei Tomatenpflanzen stehen.

Im Gewächshaus werden sie am besten zweireihig ins Beet gepflanzt. In der Regel wird die Tomate eintriebig an einer Schnur, einem Pfahl oder einer Spirale aufgeleitet.

Die Tomate ist eine Licht liebende Pflanze. Das Gewächshaus sollte daher nicht schattiert werden. Die Temperatur während der Kulturzeit sollte nach Möglichkeit mindestens 14 Grad betrage und nicht über 30 Grad steigen. Bereits ab 24 Grad, bei trübem Wetter schon ab 22 Grad werden Lüftungsklappen geöffnet. Ist mit einem heissen, sonnigen Tag zu rechnen, muss frühzeit mti dem Lüften begonnen werden.

Die morgendliche Erwärmung der Gewächshausluft sollte nicht mehr als 1 Grad pro Stunde betragen.

Die Luftfeuchte sollte während der Mittagszeit nicht zu hoch (nicht über 90%), aber auch nicht zu tief (nicht unter 60%) liegen, damit der Pollen bestäubungsfähig ist. An sehr heissen, trockenen Tagen kann zur Erhöhung der Luftfeuchte der Boden am Vormittag mit Wasser benetzt werden oder die Pflanzen werden besprüht.

Die Tomate ist ein Selbstbefruchter. Der Blütenstaub muss auf die Narbe der gleichen Blüte gelangen, damit eine Frucht ausgebildet wird. Durch Schütteln der Pflanzen kurz vor Mittag wird die Bestäubung gefördert. Dies sollte mindestens zwei- bis dreimal die Woche, besonders an schönen Tagen, durchgeführt werden. Im Erwerbsgartenbau werden gezielt Hummeln zur Bestäubung der Tomaten eingesetzt.

Auch der Hobbygärtner sollte sich über den Besuch von Hummeln und anderen Nützlingen freuen.

Tomaten bilden in den Blattachseln Seitentriebe. Diese werden, sobald man sie mit den Fingern greifen kann, ausgebrochen. Kranke oder verfärbte Blätter werden regelmässig entfernt, genauso auch die unteren Blätter, jedoch nicht oberhalb der gerade zu beerntenden Traube, denn die Früchte sollen nicht der prallen Sonne ausgesetzt weren.

Weder Geiztriebe noch abgeschnittene Blätter legt man auf den Boden, sondern entfernt sie vom Beet, um Krankheiten keine Ausbreitungsmöglichkeit zu geben. Das Ausgeizen oder Entblättern wird am besten in den frühen Nachmittagsstunden an sonnigen Tagen durchgeführt, damit die Wunden abtrocknen und verheilen können. Günstig wirkt sich das Mulchen mit schwarzer Folie oder Stroh aus.

Für den sofortigen Verbrauch werden die Tomatenfrüchte im vollreifen Zustand geerntet, denn dann ist ihr Geschmack am intensivsten. Die Fruchtstiele haben urz hinter den Kelchblättern eine „Sollbruchstelle“. Durch Gegendrücken an dieser Stelle wird die Frucht von der Traube gelöst. Unreif geerntete Früchte werden am besten bei 22 bis 27 Grad nachgereift. Licht spielt für die Nachreife keine Rolle. Grüne Früchte reifen nicht mehr nach, wenn sie bei Temperaturen unter 10 Grad gelagert wurden.

Sortenbeispiele

  • „Celsior“ ist eine rote, dattelförmige Cocktailtomate, die im Gewächshaus und im Freiland angebaut werden kann.
  • „Berner Rose“ ist eine zartschalige, rosafarbene Fleischtomate, die am besten im Gewächshaus oder zumindest unter einem Regenschutz angebaut wird.
  • „Goldene Königin“ ist eine mittelgrosse Stabtomate mit gelben Früchten.
  • „Tigerella“ ist eine reich tragende Tomatensorte, deren runde, mittelgrosse Früchte rot mit gelblichen Tigerstreifen reifen.
  • „Green Zebra“ ist eine Salattomatensorte, deren Früchte gelb grün reifen.
  • „Black Plum“ ist eine Tomatensorte mit mittelgrossen, rotbraunen, eiförmigen Früchten.
  • „Orange Favourite“ ist eine Tomatensorte mit runden orangefarbenen Früchten.
  • „Juliet“ F1 ist eine reich tragende Tomatensorte mit roten, länglichen Früchten
  • „Dolce Vita“ F1 ist eine Kirschtomate mit langen Rispen und süssen, aromatischen Früchten. Die Sorte ist resistent gegn Tomatenmosaikvirus, Samtfleckenkrankheit, Verticillumwelke, Fusarium und Nematoden.

 

 

 

 

 


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